Veröffentlicht von der ColorVision-Redaktion. Dieser Lerninhalt ist keine individuelle medizinische Beratung. Lesen Sie unsere Redaktionsrichtlinie und unsere Testmethodik.
Kurze Antwort
Die häufigsten Unterschiede im Farbsehen betreffen Rot und Grün; Blau-Gelb-Unterschiede und der vollständige Verlust des Farbsehens sind seltener. Die genaue Form lässt sich mit einer Browser-Aktivität allein nicht bestätigen.
Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten: Lassen Sie eine neu aufgetretene oder zunehmende Veränderung des Farbsehens augenärztlich abklären – ebenso, wenn Sie für Beruf, Studium oder eine Zulassung ein formales Ergebnis benötigen.
Formen der Farbenblindheit
Farbenblindheit ist keine einzelne Erkrankung, sondern umfasst mehrere unterschiedliche Formen der Farbsehschwäche (CVD), die jeweils auf andere Veränderungen der Zapfenzellen in der Netzhaut zurückgehen. Die Formen zu kennen, ist wichtig für eine genaue Diagnose, für Anpassungen am Arbeitsplatz und für die Gestaltung barrierefreier Inhalte.
Die zwei großen Kategorien
Alle Formen der Farbenblindheit lassen sich zwei Kategorien zuordnen:
- Angeboren (vererbt) – von Geburt an vorhanden, durch genetische Mutationen verursacht
- Erworben – später im Leben durch Erkrankung, Verletzung oder Medikamente entstanden
Innerhalb der angeborenen Farbsehschwächen gibt es drei Hauptachsen, je nachdem, welcher Zapfentyp betroffen ist:
- Protan (L-Zapfen, rotempfindlich)
- Deutan (M-Zapfen, grünempfindlich)
- Tritan (S-Zapfen, blauempfindlich)
Rot-Grün-Schwäche (am häufigsten)
Auf die Rot-Grün-Schwäche entfallen rund 98 % aller Fälle. Sie geht auf Mutationen auf dem X-Chromosom zurück.
Protanopie
- Mechanismus: vollständiges Fehlen der L-Zapfen (lange Wellenlängen, rotempfindlich)
- Häufigkeit: ~1 % der Männer, unter 0,01 % der Frauen
- Wahrnehmung: Rottöne wirken sehr dunkel oder schwarz; Rot lässt sich nicht von Grün trennen; verringerte Empfindlichkeit am roten Ende des Spektrums
- Besonderheit: Der hellste Punkt des sichtbaren Spektrums verschiebt sich Richtung Gelbgrün
Protanomalie
- Mechanismus: L-Zapfen vorhanden, aber mit verringerter oder verschobener Empfindlichkeit
- Häufigkeit: ~1 % der Männer
- Wahrnehmung: ähnlich der Protanopie, aber schwächer ausgeprägt; Rottöne wirken gedämpft oder bräunlich
- Besonderheit: leichte Schwierigkeiten, Rot, Orange und Grün auseinanderzuhalten
Deuteranopie
- Mechanismus: vollständiges Fehlen der M-Zapfen (mittlere Wellenlängen, grünempfindlich)
- Häufigkeit: ~1 % der Männer, unter 0,01 % der Frauen
- Wahrnehmung: ähnlich der Protanopie – Rot und Grün werden verwechselt – jedoch ohne die verringerte Helligkeit der Rottöne
- Besonderheit: häufigste schwere Form der Rot-Grün-Schwäche
Deuteranomalie
- Mechanismus: M-Zapfen vorhanden, ihr Empfindlichkeitsmaximum ist verschoben
- Häufigkeit: ~5 % der Männer – die mit Abstand häufigste Form der Farbenblindheit
- Wahrnehmung: Grüntöne sind Richtung Rot verschoben; Grün und Rot sowie Gelb und Orange sind schwer zu trennen
- Besonderheit: Der Schweregrad schwankt stark; manche Menschen haben eine sehr milde anomale Trichromasie
Blau-Gelb-Schwäche
Weit seltener als die Rot-Grün-Schwäche betreffen Blau-Gelb-Schwächen die S-Zapfen. Sie werden autosomal vererbt (über Chromosom 7, nicht das X-Chromosom) und treten deshalb bei Männern und Frauen gleich häufig auf.
Tritanopie
- Mechanismus: vollständiges Fehlen der S-Zapfen (kurze Wellenlängen, blauempfindlich)
- Häufigkeit: ~0,008 % der Bevölkerung (Männer und Frauen gleichermaßen)
- Wahrnehmung: Blau erscheint grün; Gelb erscheint violett oder hellgrau; Verwechslung von Blau und Grün sowie von Gelb und Rot
- Besonderheit: häufiger erworben als angeboren
Tritanomalie
- Mechanismus: S-Zapfen vorhanden, aber mit verringerter Empfindlichkeit
- Häufigkeit: ausgesprochen selten
- Wahrnehmung: ähnlich der Tritanopie, jedoch milder
- Besonderheit: in erworbener Form oft fortschreitend
Vollständige Farbenblindheit
Achromatopsie (Monochromasie)
- Mechanismus: vollständiger Ausfall der Zapfenfunktion; nur das Stäbchensehen bleibt
- Häufigkeit: ~1 von 30 000 Menschen weltweit (ohne Geschlechtsunterschied)
- Wahrnehmung: ausschließlich Graustufen – echtes Schwarz-Weiß-Sehen
- Begleitsymptome: starke Lichtempfindlichkeit (Photophobie), verringerte Sehschärfe (~20/200), unwillkürliche Augenbewegungen (Nystagmus)
- Hinweis: Die meisten „farbenblinden“ Menschen sind KEINE Achromaten – echte Monochromasie ist außerordentlich selten
Blauzapfen-Monochromasie
- Mechanismus: L- und M-Zapfen sind funktionslos; nur S-Zapfen und Stäbchen arbeiten
- Häufigkeit: ~1 von 100 000 Männern
- Wahrnehmung: sehr eingeschränktes Farbsehen; überwiegend Blautöne mit etwas Grau
- X-chromosomal: betrifft wie die Rot-Grün-Schwäche vor allem Männer
Die Formen im Überblick
| Form | Betroffener Zapfen | Häufigkeit (Männer) | Schweregrad | Korrigierbar? |
|---|---|---|---|---|
| Deuteranomalie | M-Zapfen (verschoben) | ~5 % | Leicht–mittel | Teilweise mit Filtern |
| Deuteranopie | M-Zapfen (fehlend) | ~1 % | Mittel–schwer | Teilweise mit Filtern |
| Protanomalie | L-Zapfen (verschoben) | ~1 % | Leicht–mittel | Teilweise mit Filtern |
| Protanopie | L-Zapfen (fehlend) | ~1 % | Mittel–schwer | Teilweise mit Filtern |
| Tritanopie | S-Zapfen (fehlend) | ~0,01 % | Mittel | Nein |
| Achromatopsie | Alle Zapfen | ~0,01 % | Vollständig | Nein |
So finden Sie heraus, welche Form Sie betrifft
Online-Tests wie der Ishihara-Test und der Farnsworth-100-Hue-Test können auf eine Rot-Grün-Schwäche hinweisen; für eine gesicherte Einordnung sind jedoch klinische Instrumente wie ein Anomaloskop nötig. Dabei gleicht die geprüfte Person die Farbe zweier Feldhälften an, indem sie eine Mischung aus rotem und grünem Licht einstellt – das Ergebnis unterscheidet Protanopie und Deuteranopie präzise und bestimmt den Schweregrad.
Für einen ersten Anhaltspunkt enthält unser Ishihara-Test diagnostische Tafeln, die auf ein Protan- oder Deutan-Muster hindeuten können.
Häufige Fragen
Kann man mehr als eine Form der Farbenblindheit haben? In seltenen Fällen ja – eine Person kann gleichzeitig eine Rot-Grün- und eine Blau-Gelb-Schwäche aufweisen. Am häufigsten kommt das bei erworbenen, krankheitsbedingten Farbsehschwächen vor.
Ist die häufigste Form der Farbenblindheit schwer? Nein. Die Deuteranomalie (die häufigste Form) verläuft oft recht mild. Viele Betroffene bemerken sie erst bei einem Test.
Kann Farbenblindheit vom Großvater vererbt werden? Ja – das ist das klassische Vererbungsmuster. Ein Großvater gibt sein X-chromosomales CVD-Gen an seine Töchter weiter, die dadurch Trägerinnen werden; anschließend erben 50 % von deren Söhnen die Farbsehschwäche.
Belege und Quellen
Diese Quellen liefern Hintergrundwissen zur Farbsehschwäche und zu klassischen klinischen Tests. Die Aktivitäten von ColorVision laufen im Browser und sind pädagogische Screenings, keine klinischen Instrumente.
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